Digitale Lösungen in der Medizin
neuland21
Mit 5G und digitalen Anwendungen wirkt das BULEplus-Projekt FORural Health dem Ärztemangel auf dem Land entgegen und verbessert gleichzeitig die persönliche Situation von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffienz.
Im Land.Funk-Projekt „Telemedizinische Anwendungen im ländlichen Raum Fränkische Schweiz“, kurz FORuralHealth, konnten herzkranke Testpersonen täglich ihre Vitalparameter wie Blutdruck, Puls, Gewicht und Sauerstoffgehalt im Blut messen. Diese wurden dann über eine „Herz-App“ an ein Care-Center übermittelt. Bei signifikanten Veränderungen der Werte nahm das Care-Center Kontakt mit Patientinnen und Patienten auf, um das weitere Vorgehen zu besprechen und bei Bedarf Arzttermine zu empfehlen.
Sebastian Weiß hat das Projekt als Verantwortlicher im letzten Jahr für das Landratsamt Forchheim begleitet und zieht im Interview mit der BULEplus-Redaktion ein Resümee.
BULEplus-Redaktion: Wie wurde das Projekt von den Testpersonen grundsätzlich angenommen?
Herr Weiß: Positiv. In einer ersten Testgruppe haben wir mit zehn Personen gearbeitet, in einer zweiten mit 20. Bei beiden Gruppen konnten wir feststellen, dass sich Lebensqualität und Lebensgefühl der Patientinnen und Patienten deutlich gesteigert hatten. Ängste, die ihre Erkrankung mit sich gebracht hatten, wurden weniger, weil die täglich gemessenen Werte mehr Vertrauen in den eigenen Körper gebracht haben. Und auch für die betreuenden Ärztinnen und Ärzte war das Projekt sehr hilfreich. Sie konnten besser auf Veränderungen in den Werten reagieren und die Behandlung optimieren.
BULEplus-Redaktion: Welches Resümee ziehen Sie nach der dreijährigen Projektlaufzeit?
Herr Weiß: Neben den vielen positiven Effekten auf das persönliche Wohlbefinden haben sich unsere Testpersonen weite Fahrtwege in die Arztpraxen, die wir hier auf dem Land haben, erspart, da Arztbesuche schlichtweg entfielen. Das Notfall-System und die Krankenhäuser ließen sich zudem ebenfalls entlasten, da bei einigen Patientinnen und Patienten durch die Messungen rechtzeitige Anpassungen der Behandlung durch die Hausärzte vorgenommen werden konnten und so schwere Verläufe und daraus folgende Rettungseinsätze und Krankenhausaufenthalte vermieden werden konnten.
BULEplus-Redaktion: Wie wird es jetzt weitergehen, wie nutzen Sie die Erkenntnisse aus dem Projekt?
Herr Weiß: Die Erkenntnisse werden auf jeden Fall in die strategische Gesundheitsplanung unseres Landkreises fließen. Damit passen wir stetig die Gesundheitsversorgung für die Menschen hier in der Region an. Die App konnte verstetigt werden. Das Nutzungspotenzial ist groß und ich bin zuversichtlich, dass wir in der Zukunft immer weitere Arztpraxen gewinnen, die Telemedizin gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten umsetzen wollen. Mit unserem Projekt haben wir auf jeden Fall bei uns im Landkreis einen wichtigen Schritt in die Zukunft gemacht. Und alle Interessierten können auch jederzeit ihre Hausärztin oder Hausarzt ansprechen.