Unterwegs im digitalen Dorf
BLE
Digitalisierung von Bürgerinnen und Bürgern für Bürgerinnen und Bürger: Das ist in Etteln, Kreis Paderborn, Realität geworden. Ein digitaler Dorfzwilling hält hier das gesamte Dorf stets auf dem aktuellsten Stand.
In der BULEplus-Förderung „Land.Funk – Anwendungen für Gigabit-Netze für ländliche Räume“ beschäftigten sich fünf Projekte mit der modellhaften Nutzung von Gigabitnetzen - eines davon war das Projekt „Erstellung einer Open-Data-Plattform und eines digitalen Zwillings des Dorfes“ – kurz DiDoZ – im Dorf Etteln in der Gemeinde Borchen.
Ein Dorf im Transformationsprozess
In Etteln wird die Digitalisierung gelebt; und das bereits seit 2018. Anstoß zur Veränderung war im Jahr 2012 die drohende Schließung der Grundschule, der man vor Ort nicht tatenlos zusehen wollte. Und so gründete sich der Verein „Etteln aktiv“. Dieser schaffte es nicht nur, den Schulstandort zu sichern, sondern verschrieb sich auch weiteren zukunftsfähigen Projekten, unter anderem der Verlegung von Glasfaser in ehrenamtlicher Eigenregie. Rund 30 Kilometer Kabel verlegte die Dorfgemeinschaft in nur sechs Monaten, zu einem Bruchteil der vorgesehenen Kosten in siebenstelliger Höhe. Später kamen eine Dorf-App, medizinische Versorgung mit digitaler Unterstützung oder auch eine digitale Mitfahrbank hinzu.
„Digitalisierung hat sich in Etteln zum imagebildenden Markenkern entwickelt.“ Ulrich Ahle, Ehemaliger Ortsvorsteher und heute Digitalisierungsverantwortlicher von Etteln
Dorfzwilling sorgt für Aktualität
Mit der BULEplus-Förderung konnte zusätzlich eine digitale Integrationsplattform geschaffen werden: der digitale Dorfzwilling. Was das vor Ort bedeutet, wird schnell bei einem Rundgang durch das rund 1.800 einwohnerstarke Dorf deutlich. Sensoren an verschiedenen Punkten, wie zum Beispiel am Fluss Altenau, an Grünanlagen, Altkleidercontainern oder im Bereich Verkehr sammeln Daten, die im Dorfzwilling zusammengefasst und allen Bürgerinnen und Bürgern ohne Zeitverzug zugänglich gemacht werden. So wird schnell deutlich, ob ein Hochwasserrisiko besteht, Bäume bewässert werden müssen, Container voll sind oder manche Straßen perspektivisch unter zu vielen Autos leiden. Ein Zugriff ist entweder über die Dorf-App möglich oder auf drei verschiedenen digitalen Stelen abrufbar, die im Ort verteilt sind.
„Wichtig war es uns immer, die Dorfgemeinschaft bei allen Entwicklungen mitzunehmen und Digitalisierung nicht als reinen Selbstzweck zu betrachten“, berichtet Ulrich Ahle weiter, „sondern die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger im Blick zu erhalten und stetig zu steigern.“
Sieg bei globalem Digitalisierungswettbewerb
Dass sich der fortwährende Einsatz nicht nur für die Dorfgemeinschaft selbst auszahlt, sondern auch auf internationalem Parkett, zeigte sich im Herbst 2024. Im Rahmen der zehnten Internationalen Smart City Konferenz des Institute of Electrical and Electronics Engineers – einer Organisation, die sich der Digitalisierung zum Wohle der Menschheit verschrieben hat – gewann Etteln den ersten Preis des globalen Smart City Wettbewerbs. Der zweite Platz ging an die Stadt Hongkong.