Q-Land: Queere Angebote für einen stärkeren sozialen Zusammenhalt
Tim Gorr
Gute Stimmung bei einem „Queer auf dem Lande“-Konzert
Verschiedene Veranstaltungen in selten bespielten Orten des Landkreises Gifhorn in Niedersachen machen das queere Leben auf dem Land sichtbarer und nahbarer. Die queeren Kulturveranstaltungen bieten Raum, um Vorurteile abzubauen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und gemeinsam Kunst und Kultur zu genießen.
Zur Entstehungsgeschichte von „Q-Land“ gehört, dass die Verantwortlichen des Vereins Queeres Netzwerk Gifhorn e.V. mit ihrem Know-how der gesellschaftlichen Entwicklung im Landkreis Gifhorn etwas entgegensetzen wollten. Denn die Landtagswahlen 2022 zeigten einen deutlichen Rechtsruck. In der Praxis bedeutet dies, dass queere Menschen, besonders Trans* Personen Diskriminierung und Hetze erleben und sich dort zunehmend unwohler fühlen.
Ziel des BULEplus-Projekts „Q-Land: Queer auf dem Lande“ ist es, Angebote und Netzwerke zu schaffen, nutzbar zu machen und verschiedene kulturelle Veranstaltungen zu ermöglichen. Dadurch können Vielfalt, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Inklusion erlebbar gemacht werden. Zudem führt es den dort beheimateten Menschen vor Augen, wie bereichernd kulturell diverse Erfahrungen für eine demokratische und fortschrittliche Gesellschaft sind.
Q-Land bringt frischen Wind in das Kulturleben
Um queere Kunst und Kultur auf dem Land zu initiieren und umzusetzen, wurden entweder bereits bestehende Kontakte genutzt oder neue aufgebaut. So entstehen vielerorts Kooperationen in Zusammenarbeit mit Akteuren in den Samtgemeinden, wie beispielsweise mit Demokratiebündnissen oder Vereinen vor Ort, die auch wissen, wie die Stimmung dort jeweils ist.
Das eigens dafür engagierte junge Projektteam, bestehend aus Leander Tietjen und Han Körner, freut sich, in den ländlichen Gebieten Gifhorns ein größeres und vielgestaltigeres Kulturangebot durch die Förderung zu ermöglichen. Ihre anfängliche Sorge, Menschen in den Gemeinden für das Projekt begeistern zu können, hat sich mittlerweile gelegt. Im Jahr 2025 hat das Projektteam sieben Veranstaltungen auf die Beine gestellt, für 2026 sind weitere sechs geplant. Insgesamt sind dort Kulturangebote selten. Die Freude und die Bereitschaft mitzuhelfen und den Ort zu bespielen sind deshalb meistens groß.
Raum für Begegnung ermöglichen
Die Veranstaltungen „Queer auf dem Lande“ (QuadL), die queere Kunst und Kultur wie beispielsweise Lesungen, „Rock für Vielfalt – Stark gegen Rechtsextremismus“-Konzerte, Shows und auch Vorträge anbieten, bewirbt die eigene Vereinswebsite. Zudem werden Plakate in der kleinen Bäckerei, der Apotheke oder dem Schreibwarengeschäft der betreffenden Gemeinde aufgehängt.
Oft geht das Projektteam mit einer gewissen Unsicherheit in die Veranstaltungen rein. Es ist schon vorgekommen, dass am Abend einer Veranstaltung Hakenkreuze am Sitz des Queeren Netzwerks Gifhorn geschmiert wurden. Wird das queere Angebot akzeptiert und gut besucht? Inzwischen sind sie schon sicherer geworden, denn sie erleben mit jeder weiteren Veranstaltung, dass die Angebote von vielen gut angenommen werden.
„Es macht Mut. Denn durch die Veranstaltungen wird ein Raum geschaffen, wo man keine Angst hat, in dem man gemeinsam etwas erleben und genießen kann.“ (Leander Tietjen und Han Körner, Projektteam Q-Land)
Es ist wie ein Normalisierungsmoment, erläutern sie. Für einige Leute, die zur Veranstaltung kommen, ist es vielleicht der erste Kontakt mit einer queeren Person. Man kann sich auf Augenhöhe Fragen stellen, Kunst und Kultur genießen, gemeinsam und bewertungsfrei.
Begegnungen schaffen Toleranz und Akzeptanz
Aus Sicht des Projektteams gelingt mit der QuadL-Veranstaltungsreihe der Abbau von Barrieren und Berührungsängsten. Alle Beteiligten erleben Wertschätzung. Darüber hinaus erhalten queere Menschen, die künstlerisch tätig sind, die Chance, aufzutreten und motivieren so auch queere Menschen, die dort leben, sich zu zeigen. Wichtig ist der Projektleitung, einen Raum zu schaffen, in dem alle sagen können: „Ich bin hier willkommen!“ und damit Strukturen vor Ort zu schaffen, um sich für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt einzusetzen, um Minderheiten eine Stimme zu geben und sich für Toleranz, Akzeptanz und gegen Diskriminierung einzusetzen.
Alle Kontakte, Kooperationen und Strukturen, die dank der BULEplus-Förderung „Soziale Dorfentwicklung – Gemeinsam stark“ in der Projektlaufzeit von Oktober 2024 bis März 2027 aufgebaut wurden und werden, sind dabei sehr hilfreich. Han Körner und Leander Tietjen sind optimistisch, dass diese auch darüber hinaus bestehen bleiben und zu weiteren Angeboten führen werden. Bis dahin kümmern sie sich um die kommenden Veranstaltungen, darunter ein Vortrag zum Thema „Queere Vorfahren“, ein Musicaltheater von und über queere Menschen sowie eine Lesung.