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Wissenschaft, die Spaß macht und begeistert

Dr. Maria Rammelmeier steht bei ihrem Vortrag im Rahmen des Rural Science Slams am Mikrofon

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Beim Rural Science Slam der Andreas Hermes Akademie stand die Forschung zu ländlichen Regionen im Fokus. Der erste Preis ging an Dr. Maria Rammelmeier, Forscherin im BULEplus-Projekt „Kultur unterm Kirchturm“, für ihren Beitrag zur Transformation von Kirchen zu Kultur- und Begegnungsorten.


Dr. Maria Rammelmeier ist seit Juli 2023 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Kultur unterm Kirchturm“ am Vechta Institute of Sustainability Transformation in Rural Areas (VISTRA) der Universität Vechta tätig. Das Projekt ist Teil der BULEplus-Förderung „Faktor K – Forschung zum Faktor Kultur in ländlichen Räumen“.

BULEplus-Redaktion: Titel ihres Projekts und auch Ihres Beitrags beim Science Slam war „Kultur unterm Kirchturm – wie geht das zusammen“ – geht es denn zusammen?

Frau Rammelmeier: Die Beziehung zwischen Kirche und Kultur habe ich einmal mit „zwischen Polarität und Symbiose“ zusammengefasst. In meiner Doktorarbeit habe ich kulturelles Engagement in ländlichen Regionen allgemein untersucht, im Projekt „Kultur unterm Kirchturm“ dann speziell mit Blick auf die Kirche. Als Sakralgebäude hat der Ort natürlich einen Einfluss, denn er bringt eine gewisse Exklusion mit sich. Kirchen sind zwar prinzipiell für alle offen - aber vorrangig sind sie ein Ort der Ruhe und des Gebets. Künstlerisches Schaffen hingegen lebt von Kreativität, Freiheit und individuellem Ausdruck. Wenn beides aufeinandertrifft, dann kommt es zu Aushandlungsprozessen – manchmal funktioniert das gut, manchmal weniger. In einer untersuchten Kulturkirche z.B. wurde z.B. eine Skulptur in einer Ausstellung auf dem Taufstein platziert, was einige Gemeindemitglieder als unangemessen empfanden. Gleichzeitig können Synergien entstehen und beide Seiten voneinander profitieren: Kirchen werden durch Kulturveranstaltungen wieder gesellschaftlich anschlussfähiger und gleichzeitig haben Kulturschaffende einen Ort für Veranstaltungen.

 

BULEplus-Redaktion: Ein Zwischenergebnis Ihres Forschungsprojekts ist, dass die Nutzungserweiterung von Kirchen nicht immer positiv aufgenommen wird. Wie kann es gelingen, Kultur und Kirche miteinander in Einklang zu bringen?

Frau Rammelmeier: Im raumwissenschaftlichen Teilprojekt von „Kultur unterm Kirchturm“ habe ich vor allem die beteiligten Akteure und deren Netzwerke untersucht. Entscheidend ist, wer das Kulturangebot gestaltet. Wenn bspw. nur Angehörige der Kirchengemeinde Veranstaltungen organisieren und sich z.B. mit Orgelkonzerten auf einen eher engen Rahmen beschränken, erreichen sie meist auch nur das kirchliche Umfeld der regulären Besucherschaft. Personen aus einem Kulturverein bringen hingegen oft ein breiteres Netzwerk mit in die Kirche. Nach solchen Schlüsselpersonen richtet sich das Engagement-Netzwerk. Je diverser das Netzwerk ist, desto vielfältiger sind die Veranstaltungen und desto offener wird auch die Kirche.

 

BULEplus-Redaktion: Rund ein Drittel der Kirchen werden bis 2060 nicht mehr benötigt, wie Sie in Ihrem Beitrag anmerken. 

Frau Rammelmeier: Genau, rund ein Drittel wird dann nicht mehr benötigt, 70 Prozent aber schon. Deswegen liegt der Fokus eher auf der Frage, wie denn diese 70 Prozent lebendig bleiben können. Neben dem Engagement der Akteure vor Ort können auch bauliche Anpassungen dazu beitragen. Mit einer flexiblen Bestuhlung ist es einfacher, die Kirche für andere Veranstaltungen zu nutzen als mit fest installierten Kirchenbänken. Im Forschungsprojekt entwickeln wir einen Katalog mit verschiedenen Einflussfaktoren. Beispielsweise gibt es Unterschiede je nach Größe des Ortes oder auch zwischen Ost- und Westdeutschland. Oft wirkt sich ein Faktor ambivalent aus: Mangelnde finanzielle Ressourcen sind hinderlich für Kulturangebote. Gleichzeitig kann aber durch die Suche nach Fördermitteln das Netzwerk der Akteure diverser werden und so einen positiven Effekt haben.

 

BULEplus-Redaktion: Wie war Ihre Erfahrung mit dem Format „Rural Science Slam“?

Frau Rammelmeier: Zuvor hatte ich noch nie an einem Science Slam teilgenommen. Sehr hilfreich war der zweitägige Workshop im Vorfeld, in dem die Teilnehmenden zu Themen wie Bühnenpräsenz und Rhetorik gecoached wurden. Anders als bei einem klassischen Vortrag auf einer Fachtagung geht es hier in erster Linie darum, das Wichtigste in kurzer Zeit, für alle verständlich und gleichzeitig unterhaltsam zu vermitteln. Ich habe bewusst ohne PowerPoint-Folien vorgetragen und mit Fun Facts und biografischen Details aus meinem ehrenamtlichen Engagement als Kirchenmusikerin meine Forschungsarbeit vorgestellt. Besonders gefallen hat mir, dass es nicht um den Wettbewerb untereinander ging, sondern darum, die Begeisterung für die eigene Arbeit zu vermitteln. So hat es mir wirklich viel Spaß gemacht.

 

Der Science Slam von Dr. Maria Rammelmeier im Video

Weitere Informationen zum Rural Science Slam der Andreas Hermes Akademie finden Sie hier.

Auf dem YouTube-Kanal können Sie sich die Beiträge aller Teilnehmenden anschauen.